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Index Dreieinigkeit

Lutz Hausmann - eigene philosophische Konzepte

Dreieinigkeit

siehe auf weiteren Seiten auch:

Was ist Personhaftigkeit?

Die philosophische Kernaussage der Dreieinigkeit

Dreieinigkeit = aus - mit - als

Grundsätzliches zur Dreieinigkeit



Was ist diejenige Dreieinigkeit, für die ich mich hier interessiere?

Dreieinigkeit ist eine Eigenschaft unserer Personhaftigkeit.
Person sind wir in einem Kontext.
Die Dimensionen dieses Kontextes sind -aus-, -mit-, -als-.
Der Kontext, in dem wir Person sind, ist ein Raum mit den Koordinaten -aus-mit-als-.

Unsere Personhaftigkeit ist gebunden an diesen -aus-mit-als-Raum.
Die drei Koordinaten des -aus-mit-als-Raumes sind jeweils implizit ein Versprechen der anderen zwei Koordinaten, entsprechend des dreidimensionalen Raumes. Deswegen nenne ich unsere Personhaftigkeit dreieinig.

So wie wir uns durch die Verarbeitung der drei Raumdimensionen sicher als eine integre Einheit durch eine Vielzahl von Raumbeziehungen bewegen können, so bewegen wir uns durch unseren menschlichen Raum integer, selbstverständlich und sicher, wenn die Verarbeitung der Herkunft und des Miteinanders zu einer Identifikation "als das alles" wird. Wir erleben uns als integre, unangefochtene Person solange wir ungebrochen zu unserer Herkunft stehen, wir uns gleichzeitig ungestört im Miteinander mit allem empfinden, das aus dieser Herkunft hervorging und uns ebenfalls gleichzeitig dabei mit unserer Herkunft und unserem Miteinander identifizieren. Wobei mit "Herkunft" auch die letzte Sekunde gemeint ist. Die Identifizierung führt zur Empfindung einer Einheit in der Vielheit bei einem gleichzeitig ungebrochenen Verhältnis zu dieser Vielheit. Diese Dreieinigkeit ist so die Voraussetzung für die Personhaftigkeit. Die Dreieinigkeit schafft den Raum, in dem die Person sein und werden kann, so wie die Dreidimensionalität des physischen Raumes die Voraussetzungen für den Tanz schafft, aber nicht gleichzeitig dieser Tanz ist.

Alles was existiert, existiert in einem Kontext, zu dem es selbst gehört, weil es zum Kontext von anderem gehört. Individualität und Kontext sind nicht zu trennen, weil auch die eigenen Handlungen und der eigene Körper zum Kontext der eigenen Freiheit gehört.

Die Empfindung jemand bestimmtes zu sein, ist so eine Inspiration in den Raum der Dreieinigkeit hinein. Diese Inspiration erfahren wir am Anfang unseres Lebens, wenn wir zur Persönlichkeit erwachen, und genau so an jedem neuen Tag, wenn wir aus dem Schlaf heraus bewusst werden.

In einem modernen Leben bricht die Dreieinigkeit, also derjenige Raum, in dem wir unseren persönlichen Tanz tanzen, vielfach zusammen und wird vielfach gekittet. Das Ergebnis ist eine Fragmentation. Wir sind dann Viele, je nach Kontext, und vieles passt nicht zusammen. Das Erwachen zum Bewusstsein geschieht in den Dreieinigkeitsraum hinein, wenn dies nicht geschieht bleiben wir unbewusst. Das heißt, das Potential unserer Personhaftigkeit verringert sich mit der Fragmentierung unserer Dreieinigkeit. So bleiben wir nach der Fragmentierung der Dreieinigkeit unbewusst, weil wir nicht in der Lage sind in einen umfassenden Einheitsraum hinein zum Bewusstsein inspiriert zu werden. Und es entstehen vielfältige Zwänge und scheinbare Verpflichtungen, als aus dem Unbewusstsein heraus befeuerte Versuche, einer vagen Empfindung eines größeren Zusammenhangs unseres Lebens gerecht zu werden. Dabei sind die Zwänge und vagen Versuche von den Umständen der Fragmentierungen bestimmt.


Die umfassendste Form der Dreieinigkeit ist diejenige, in die wir hineingeboren werden und in der wir aufwachsen. Es ist eine uns mitgegebene, von unserer Stammesgeschichte und unseren Eltern prästabilierte, selbstverständliche Dreieinigkeit. Es ist eine Einheit des Passungscharakters, weil unsere Sinne diejenigen Informationen verarbeiten, die für uns interessant und wichtig sind, weil unser Körper von den Nahrungsmitteln ernährt wird, die mit uns auf der Erde wachsen, weil die Luft uns selbstverständliches Lebenselexir ist und weil unsere Körperkräfte unseren Anforderungen entsprechen. Und so spiegelt sich die uns mitgegebene Einheit des Lebens ebenso in unserer sozialen Umgebung. Die Prästabilierung, die sich während unserer Stammesgeschichte auch in unserem sozialen Raum manifestiert hat, hat die Erwachsenen unserer Umgebung auf dreierlei Weise uns als Kindern gegenüber kompetent gemacht. Ohne dass wir es selber wüssten, wissen sie, was wir zum Erhalt unserer Existenz benötigen, ohne dass wir es sprachlich äußern könnten, sind die Erwachsenen Deutungskompetent und schließen aus Signalen und Umständen bis weit in unsere Pubertät hinein auf unsere Bedürfnisse, und ohne dass wir unsere Zukunft kennen, wissen die Erwachsenen in unserer Umgebung wie es mit uns gut weitergehen könnte. In einer mit Lebensressourcen gut ausgestatteten und sozial entspannten Umgebung erleben wir zwar auch immer wieder Konflikte, diese werden aber in Lernprozessen aufgelöst und führen zu einem höheren Bewusstsein der Einheit unserer Existenz. Die Dreieinigkeit einer solchen menschlichen Existenz wird wenig fragmentiert sein. Hier weben Herkunft, Miteinander und bevollmächtigte Repräsentanz einen dreieinigen Raum, in dem ein sehr weitgefasstes Bewusstsein inspiriert zum Verständnis nicht nur des eigenen Lebens, sondern der Zeitepoche aufblühen kann. Dieser Idealzustand ist bei uns keine Utopie, sondern hat sich seit Jahrzehnten wahrscheinlich vielmillionenfach so entfaltet. Wir sollten uns dieses Privileges bewusst sein.

Die stärkste Form der Fragmentierung der Dreieinigkeit ist die Existenzbedrohung. Als solche kann jede Traumatisierung empfunden werden. In ihrer stärksten Form wirkt die Existenzbedrohung in der Kinder- und Jugendzeit bei erlebter Lebensgefahr und beim Tod eines nahen Familienangehörigen. Die Fragmentierung wirkt, weil aus der dreieinigen Einheit der eigenen Lebensumstände keine Ressource zur bevollmächtigten, die Bedrohung abwendenden Handlungskompetenz zur Verfügung stand. Für die meisten Betroffenen fängt dann ein neues Leben an, nämlich das Leben nach der Existenzbedrohung. Dies geschieht dann nicht mehr nach der Formel „ich bin aus der Einheit, mit allem, was mit mir zusammen aus dieser Einheit hervorgegangen ist, als diese Einheit“, sondern „ich bin in Folge dieser Katastrophe, mit allem, was diese Katastrophe in meiner Lebensumgebung bewirkt hat, als die Folge dieser Katastrophe“. Wir können uns nicht anders als in Dreieinigkeit durch die Veränderungen unseres Lebens hindurch bewegen. Wenn die natürlich prästabilierte Kompetenz unserer Lebensumstände keine bevollmächtigte Bewältigung der Existenzbedrohung hervorbringen konnte, dann ist zukünftig die Existenzbedrohung die Kompetenz unseres Lebens.

In der Existenzbedrohung steckt sehr viel Bewusstsein (und Wissen und Kompetenz) der Lebensumgebung, aber dieses kann, aufgrund der Umstände, nicht als Inspiration in der dreieinigen Personhaftigkeit aufgehen. Bei einer Traumatisierung fragmentiert der dreieinige Fluss des Lebens zu mindestens zwei Existenzhorizonten, die beide eine Herkunft, ein Miteinander und eine Identifikation besitzen. Traumatisierung, egal in welcher Form, bedeutet immer Bewusstseinsverlust. Der Fluss des Lebens, der Passungscharakter, die aufatmende Gewissheit und Erfahrung, dass bisher aus den Tiefen der eigenen Existenz immer eine Bewältigung der Herausforderungen hervorging sind unterbrochen gewesen, und es ist eine Lücke entstanden. Weil der Zugang, zu dem was in der Lücke an Wissen zu sich selbst verborgen ist, versperrt ist, muss die Lücke als solche als Wissen um sich inkorporiert werden. Die Lücke ist Wissen, das für das persönliche Leben nicht nutzbar gemacht werden kann, das aber als essentiell zum eigenen Leben zugehörig empfunden wird.

Aufgrund der dreieinigen Struktur der Personhaftigkeit ist mit der Inkorporation der Bewusstseinslücke eine Identifikation mit dieser entstanden. Wenn die Umgebung von den Betroffenen direkt oder indirekt verlangt, doch nun das Schlimme in ihrem Leben zu vergessen und sich den positiven Kräften des Lebens erneut vertrauensvoll zu zuwenden, dann fühlen sie sich zwanghaft im starken Gravitationsfeld der Traumatisierungsumstände gefangen, weil nur über diese ein Zugang zurück zu den vertrauensvoll erlebten positiven Kräften des Lebens möglich scheint. Dies nimmt so viele Formen an wie es Betroffene gibt.

Die Fragmentierung der Dreieinigkeit wird auch kulturell und in Familien weiter gegeben. Merkmal ist immer die Identifizierung mit einer neuen Quelle des Lebens. Zu der natürlichen Quelle des Lebens, aus deren Fülle und Geborgenheit man unbewusst hervorgegangen ist, und mit der man „als das alles“ identifiziert war, ist eine neue Quelle des Lebens hinzugetreten. Diese neue Quelle des Lebens ist nun, in Folge der Existenzbedrohung, eine Quelle des Überlebens geworden. In Diktaturen und bei militärischen Konflikten ist diese Quelle des Überlebens, noch weiter eigenmacht- und eigenkompetenzberaubt, eine Quelle des gestatteten Weiterexistierens. Jede Instanz, die nach Belieben Leben nehmen oder gewähren kann, wird so zu einer pervertierten „Quelle“ der Existenz, mit deren Hervorbringungen die Betroffenen (wenn eine Traumatisierung stattfand) „als das alles“ identifiziert sind. Das heißt (wie in allen Fällen einer Fragmentierung der Dreieinigkeit), die Betroffenen existieren im Ergebnis dieses pervertierten Umstands, in Gemeinschaft mit allem, was zu diesem Umstand gehört, als dieser Umstand.

Bei kulturell und familiär weiter gegebenen Fragmentierungen der Dreieinigkeit entstehen leicht Muster der Selbstausbeutung. „Man bezahlt Leben mit Leben“. Um existieren zu können, werden die eigenen Lebensressourcen und oft zusätzlich die der Familie unverhältnismäßig stark aufgebraucht und eingesetzt oder im Extremfall umgekehrt gar nicht eingesetzt. Dies ist das unbewusste „Abzahlen“ von Schuld an das Überleben. Der Blick liegt dabei mehr auf dem „Überleben um jeden Preis“ und weniger bei den tatsächlichen Lebensressourcen.





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