Lutz Hausmann - Texte zur freien musikalischen Improvisation

Eine Beschreibung der Intensitätssteigerung in der freien Improvisation auf Blasinstrumenten.

In der frei improvisierten Musik, im Freejazz besonders, gibt es häufig Blasinstrumentalisten, die sich in eine zunehmende, fast rasende Intensität hineinspielen.

Ich kenne das aus eigener Erfahrung beim Querflöten- und beim Saxofonspiel. Mein Erleben dabei ist folgendes:

Das improvisierende Spiel schafft ein Verschmelzen von Erleben, Wollen und vollziehendem Tun. Daraus ergibt sich die Öffnung hin zu einer Intensitätsebene, deren Reiz ein sowohl gesteigertes wie urteilsfreies Seinserleben ist.

Für die Erklärung der weiteren Intensitätssteigerung ist die Metapher eines Memoryspiels hilfreich: Wenn man das Double zu einer Karte entdeckt hat, schafft dies eine besondere Freude, eine gesteigerte Seinsintensität. Woran liegt das? Man hat etwas aus einem Potential heraus in die Realität gebracht. Das ist auch die Belohnung des Musikers, ein Potential in eine Wirksamkeit zu bringen. Ich schaffe Öffnungen hin zu einer Intensität, das heißt, ich lasse das Potential wirken und wünsche mir in dem Moment mehr davon. Das vollste Potential des musikalischen Spiels ist die fast gleichzeitige Aufdeckung des Potentials, entsprechend des Vergleiches mit dem Memoryspiel. Das Potential zum Wirken zu bringen heißt, es aufzudecken, Öffnungen dahin zu schaffen.

Zum intensiven Musizieren kann man sagen: Je mehr Potential zeitlich im Erleben gleichzeitig zum Wirken gebracht wird, umso intensiver ist der Kontakt mit einer wirkkräftigen Authentizität.

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